Steuerliche Behandlung von Reisekosten


Gemischt veranlasste Reisekosten - Neue Rechtsprechung
Der Große Senat des BFH ist mit Beschluss vom 21.09.2009 (veröffentlicht am 13.01.2010) von seiner bisherigen Rechtsprechung bezüglich der Behandlung von gemischten Aufwendungen bei sowohl beruflich als auch privat veranlassten Reisen abgewichen. Bislang ging der BFH von einem Aufteilungs- und Abzugsverbot für gemischt veranlasste Reisen gem. § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG aus. Lediglich dem Arbeitgeber war bislang bei der Erstattung an den Arbeitnehmer eine Aufteilung gestattet (BFH v. 18.05.2005, VI R 32/03).
Nach der neuen Rechtsprechung können Aufwendungen für die Hin- und Rückreise bei gemischt beruflich und privat veranlassten Reisen in abziehbare Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben und nicht abziehbare Aufwendungen für die private Lebensführung nach Maßgabe der jeweiligen Zeitanteile aufgeteilt werden.
Beispiel:
Ein IT-Fachmann besucht von Montag bis Freitag einen Kongress in Las Vegas und hängt das Wochenende für private Erholungszwecke dran.
Von den Aufwendungen für Hin- und Rückfahrt sowie Hotel kann er folglich 5/7 als Werbungskosten absetzen.

Eine Aufteilung soll nach Ansicht des Gerichts allerdings ausscheiden, sofern eine Trennung zwischen beruflich und privaten Gründen nicht möglich ist oder die beruflichen Zeitanteile von lediglich untergeordneter Bedeutung sind. Die Nachweispflicht der berufliche Veranlassung sowie die Erfassung der jeweiligen Zeitanteile obliegt dem Arbeitnehmer bzw. Selbständigen.

Ermäßigter Umsatzsteuertarif für Hotelbranche - Folgeproblem mit Frühstück
Durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz vom 22.12.2009 wurde der Umsatzsteuersatz für Beherbergungsleistungen auf 7 % reduziert (vgl. § 12 Abs. 2 Nr. 11 UStG). Da der ermäßigte Steuersatz jedoch ausschließlich für die Übernachtung gilt, muss der Hotelier nun Übernachtung und Frühstück (sowie alle sonstigen Angebote) gesondert auf der Rechnung ausweisen. Dies hat zur Folge, dass nun nicht mehr wie bislang einfach von der Gesamtsumme die Verpflegungspauschale (R 9.7 Abs. 1 Satz 4 LStR) in Höhe von 4,80 € abgezogen werden kann, da nun der tatsächliche Preis ausgewiesen ist. Liegt der Frühstückspreis über der steuerfrei ersetzbaren Verpflegungspauschale, so stellt die Erstattung Arbeitslohn dar, auf den vom Arbeitnehmer Steuern und Sozialversicherungsabgaben zu entrichten sind.
Praxis-Tipp:
Nach BMF-Schreiben vom 05.03.2010 kommt die Anwendung der Verpflegungspauschale in Höhe von 4,80 € weiterhin in Betracht, wenn das Frühstück nicht einzeln ausgewiesen, sondern Teil eines Sammelpostens („Business-Package“ oder „Servicepauschale“) ist. Der Restbetrag des Sammelpostens stellt dann erstattungsfähige Reisenebenkosten dar.