Gemischte Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers

Der Sachverhalt


In dem dem Urteil des FG Köln vom 19. Mai 2011 (10 K 4126/09) zugrundeliegenden Sachverhalt hatte ein Unternehmer den Abzug von 50% der Kosten für ein hälftig als Büro- als auch als Wohnzimmer genutzen Raumes beantragt. Eine Ecke des Raumes war mit Schreibtisch und Regalen ausgestattet und vom restlichen Teil des Raumes (Sofa, Couchtisch, TV sowie Esstisch) abgetrennt.

Das Finanzamt war hingegen der Auffassung, dass es für die teilweise Aufwandsberücksichtigung eines häuslichen Arbeitszimmers keine gesetzliche Grundlage gebe und insbesondere die Rechtsprechung des BFH zum gemischten Abzug von Reisekosten nicht übertragbar wäre.

Der Senat gab der Klage grundsätzlich statt. Er beschränkte allerdings die steuerliche Anerkennung als Betriebsausgaben auf 1.250 €, da das Wohn-/Arbeitszimmer im Urteilsfall nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen Tätigkeit darstellte.

Hintergrund

Aufwendungen für häusliche Arbeitszimmer und deren Ausstattung sind als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten abzugsfähig, sofern für die betriebliche/berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (allerdings Begrenzung  der abziehbaren Aufwendungen auf 1.250 EUR, vgl. § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG) oder das Büro den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen/beruflichen Betätigung darstellt (dann keine Höchstbeschränkung).

In Bezug auf die Aufteilung von Reisekosten hatte der Große Senat des BFH entschieden, dass das Gesetz (hier § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG) kein Aufteilungs- und Abzugsverbot normiere; folglich einer Aufteilung vom gemischten Reisekosten (in private und berufliche Kosten) nicht entgegenstehe (Große Senat des BFH v. 21.09.2009, Az: GrS 1/06; wir berichteten). Grundsätzlich sei der entsprechende Anteil unter Berücksichtigung aller maßgeblichen Umstände zu schätzen, nur wenn dies nicht möglich sei, weil z.B. private und berufliche Veranlassung untrennbar ineinandergreifen, komme ein Abzug insgesamt nicht in Betracht. In einem nachfolgenden Urteil entschied der BFH, dass eine hälftige Aufteilung der Kosten vorzunehmen sei, wenn keine anderen Aufteilungsmaßstäbe erkennbar seien (BFH v. 24.02.2011, Az: VI R 12/10).

Das FG Köln geht davon aus, dass aus der Rechtsprechung des Großen Senats folge, dass auch im Bereich des Arbeitszimmers in Bezug auf damit im Zusammenhang entstandenen Kosten eine Aufteilung in einen betrieblichen und einen privaten Anteil vorzunehmen sei, wenn die Privatnutzung nicht völlig untergeordnet ist.
Mit der Aufgabe der Rechtsprechung zum Aufteilungs- und Abzugsverbot sei die Rechtfertigung dafür entfallen, die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer nur dann als Betriebsausgaben anzuerkennen, wenn dieses Zimmer nahezu ausschließlich betrieblich genutzt wird. Der Senat geht darüber hinaus davon aus, dass aus dem Urteil des VI. Senats des BFH vom 24.02.2011 (s.o.) folge, dass – soweit ein anderer Aufteilungsmaßstab nicht ersichtlich ist – eine hälftige Aufteilung der Kosten steuerlich zulässig ist.

Das FG Köln hat die Revision zum BFH zugelassen, insbesondere da das FG Baden-Württemberg (mit Urteil vom 02.02.2011, Az: 7 K 2005/08) entschieden hat, dass bei einer gemischten Nutzung eine Aufteilung nicht vorzunehmen sei.
Von einer Klärung der Frage vor dem BFH wird auszugehen sein. Steuerpflichtigen mit vergleichbaren Fällen einer gemischten Raumnutzung ist zu raten, Einspruch gegen noch offene Einkommensteuerbescheide einzulegen und unter Hinweis auf das o.g. Verfahren das Ruhenlassen zu beantragen.