Entfernungspauschale für verkehrsgünstigsten Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

 

Aufwendungen des Arbeitnehmers für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte können gem. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit abgezogen werden. Hierbei gilt für jeden vollen Kilometer zwischen Wohnung und Arbeitsstätte Entfernungspauschale i.H.v. 0,30 €.
Für die Bestimmung der Entfernung ist grundsätzlich die kürzeste Straßenverbindung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte maßgebend. Eine andere als die kürzeste Straßenverbindung kann jedoch zugrunde gelegt werden, wenn diese offensichtlich verkehrsgünstiger ist und vom Arbeitnehmer regelmäßig für Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte benutzt wird (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Satz 4 EStG).

Eine Straßenverbindung ist dann als verkehrsgünstiger als die kürzeste Verbindung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte anzusehen, wenn der Arbeitnehmer die Arbeitsstätte auf diese Weise trotz gelegentlicher Verkehrsstörungen in der Regel schneller und pünktlicher erreicht.

Nicht erforderlich ist, dass die vom Arbeitnehmer gefahrene Strecke verkehrsgünstiger als alle übrigen möglichen Verbindungen zwischen Wohn- und Arbeitsort ist, d.h. dass es sich um die verkehrsgünstigste Strecke überhaupt handeln muss.

Aus Vereinfachungsgründen ist lediglich die  -leicht feststellbare- kürzeste Verbindung mit der tatsächlich benutzten zu vergleichen. Eine bloß mögliche, aber vom Steuerpflichtigen nicht benutzte Straßenverbindung kann der Berechnung der Entfernungspauschale nicht zugrunde gelegt werden.
Auch der bislang teilweise erforderlichen Mindestzeitersparnis von 20 Minuten hat der BFH eine Abfuhr erteilt. Entscheidend sind vielmehr die Umstände des Einzelfalls (etwa die Schaltung von Ampeln oder die Streckenführung).

BFH v. 16. November 2011, Az: VI R 46/10 u. VI R 19/11