Kein Aufteilungsverbot für häusliches Arbeitszimmer


Nach Auffassung der Finanzverwaltung ist ein häusliches Arbeitszimmer ein Raum, der zwar in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist, allerdings ausschließlich oder nahezu ausschließlich zu betrieblichen und/oder beruflichen Zwecken genutzt wird. Lediglich eine untergeordnete private Mitbenutzung (< 10 %) sei unschädlich. Ist hingegen die private Mitbenutzung nicht von nur untergeordneter Bedeutung, so stehe die Vorschrift des § 12 Nr. 1 EStG der Abziehbarkeit der Aufwendungen entgegen.

Das Niedersächsische Finanzgericht („FG“; 8. Senat, Urteil vom 24.04.2012, 8 K 254/11) erlaubt jetzt aber einen (zumindest anteiligen) Abzug selbst dann, wenn das Arbeitszimmer nicht nahezu ausschließlich für Einkunftszwecke genutzt wird. Im Urteilsfall wurde eine berufliche Nutzung von 60% glaubhaft dargelegt und deshalb durften 60 % der geltend gemachten Aufwendungen als Werbungskosten abgezogen werden.

Die bisherige Rechtfertigung für ein grundsätzliches Aufteilungsverbot sei nach Ansicht des FG durch den Beschluss des Großen Senats 1/06 entfallen, so dass eine Aufteilung geboten ist. Auch das FG Köln hat im Urteil vom 19.5.2011 bei teils privater, teils betrieblicher Raum-nutzung eine schätzungsweise 50/50-Aufteilung vorgenommen.

Das FG Baden-Württemberg hat hingegen mit rechtskräftigem Urteil vom 2.2.2011 (7 K 2005/08) die Verwaltungsauffassung bestätigt. Auch unter Berücksichtigung des Beschlusses des Großen Senats des BFH vom 21.9.2009 ergebe sich nichts anderes. Dem hat sich das Sächsische FG in der Entscheidung vom 11.1.2012 im Wesentlichen angeschlossen.

Das Urteil des Niedersächsischen FG betraf einen von den übrigen Wohnräumen separierten Raum.  Eine „Arbeitsecke“ z. B. im Wohnzimmer könnte hingegen nach Auffassung des Gerichts nicht als häusliches „Arbeitszimmer“ angesehen werden.

Soweit ein genauerer Aufteilungsmaßstab nicht zur Verfügung steht, ist im Zweifel eine Aufteilung im Verhältnis 50 : 50 geboten. Die Aufteilung hängt aber von den Einzelfallumständen ab.

Die Revision war wegen grundsätzlicher Bedeutung im Hinblick auf die Frage, ob ein häusliches Arbeitszimmer eine (nahezu) ausschließliche Nutzung zu beruflichen (betrieblichen) Zwecken voraussetzt, zuzulassen. Das Finanzamt hat diese zwischenzeitlich auch beim BFH eingelegt (Az. IX R 23/12).

Empfehlung: Sofern die übrigen Tatbestandsvoraussetzungen für die steuerliche Berücksichtigung eines Arbeitszimmers zwar vorliegen, jedoch auch eine private Mitbenutzung des Raumes erfolgt (z.B. gelegentliche Nutzung als Gästezimmer), sollten dennoch dessen anteilige Werbungskosten in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Wenn das Finanzamt erwartungsgemäß den Werbungskostenabzug ablehnt, sollte – unter Hinweis auf das beim BFH anhängige Verfahren - Einspruch eingelegt und Ruhen des Verfahrens beantragt werden.