Gehören Küche, Flur und Bad zum häuslichen Arbeitszimmer?

Die Frage, ob die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer auch dann abgezogen werden können, wenn das Arbeitszimmer sowohl für private als auch berufliche Zwecke genutzt wird, wird von der Rechtsprechung uneinheitlich beantwortet. Während das FG Baden-Württemberg entschieden hat, dass Aufwendungen nur dann abgezogen werden können, wenn das Arbeitszimmer nahezu ausschließlich für berufliche Zwecke genutzt werde (wir berichteten), vertreten andere Finanzgerichte eine großzügigere Auffassung:

In einem jüngeren Urteil hat das FG Köln (v. 15.5.2013 – 4 K 1384/10) den Abzug eines Teils der auf das Arbeitszimmer entfallenden Kosten bejaht, obwohl der Kläger das Arbeitszimmer zu 30 % für eine Tätigkeit nutzte, die vom Finanzamt als Liebhaberei eingestuft worden war. Eine Aufteilung der Aufwendungen sei hier sachgerecht über die geschätzten Zeitanteile der jeweiligen Nutzung des Arbeitszimmers gegeben.

Das FG Düsseldorf (v. 4.6.2013 – 10 K 734/11 E) hatte sich mit der Frage zu befassen, ob auch Aufwendungen für Räume wie Küche, Bad und Flur in der auch betrieblich genutzten Wohnung eines selbständig Tätigen Betriebsausgaben darstellen können. Dies hat das Gericht verneint. Es führte aus, dass Aufwendungen nur dann Betriebsausgaben i.S.v. § 4 Abs. 4 EStG sind, wenn sie durch den Betrieb bzw. eine berufliche Tätigkeit veranlasst sind. Während diese Voraussetzungen bei einem häuslichen Arbeitszimmer erfüllt seien, weil der Steuerpflichtige dort ausschließlich oder zumindest nahezu ausschließlich seiner beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit nachgehe, sei dies bei Räumen wie der Küche, dem Bad und dem Flur gerade nicht der Fall. Dies deshalb, weil es diesen Räumen bereits an der Ausstattung fehle, die ein häusliches Arbeitszimmer präge und die Voraussetzung dafür sei, die darauf entfallenden Aufwendungen abziehen zu können. So diene eine Küche der Aufbewahrung und dem Zubereiten von Speisen und Getränken, das Bad der Körperpflege und der Flur dem Zugang zu sämtlichen zur Wohnung gehörenden Räumen. Folglich handele es sich bei den auf diese Räume entfallenden Aufwendungen um für den Haushalt des Steuerpflichtigen aufgewendete Beträge i.S.v. § 12 Nr. 1 EStG. Weil es an einem verlässlichen Aufteilungsmaßstab fehle, seien die auf Wohnräume wie Küche, Bad und Flur entfallenden Aufwendungen im Übrigen auch nicht teilweise abziehbar.

In beiden Verfahren wurde im Hinblick auf das bereits beim BFH anhängige Revisionsverfahren (VIII R 10/12) die Revision zugelassen. Bis eine Entscheidung des BFH vorliegt, sollten vergleichbare Fälle betreffend des häuslichen Arbeitszimmers offen gehalten werden.